Oper Heidelberg - Opernzelt

Fidelio

 

Premiere 07. November 2010

Oper in zwei Akten von Ludwig van Beethoven

 

Musikalische Leitung Dietger Holm / Joana Mallwitz
Regie Sven Holm
Bühne & Kostüme Elisa Limberg
Video Lisa Böffgen
Dramaturgie Tina Hartmann

Licht Ralph Kabrhel

 

Besetzung

Lucas Harbour (Don Fernando), Peter Felix Bauer (Don Pizarro), Winfried Mikus (Florestan), Yamina Maamar (Leonore), Wilfried Staber (Rocco), Alexandra Steiner (Marzelline), Eleazar Rodriguez (Jaquino), Sang-Hoon Lee (1.Gefangener), Michael Zahn (2.Gefangener)

Opernchor, Extrachor, Statisterie und Philharmonisches Orchester Heidelberg

 

Allgemeine Zeitung Ludwig Steinbach, 10.11.2010

(...) Um Freiheit geht es auch in Beethovens einziger Oper "Fidelio", die jetzt im Opernzelt eine überaus interessante Neudeutung erfuhr. Regisseur Sven Holm ist in Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Elisa Limberg ein großer Wurf gelungen.

Eindrucksvoll bezieht das Team den Zuschauerraum in die Handlung mit ein: Im Zentrum des Opernzeltes sind zahlreiche weiße Plastikstühle aufgehäuft, wie man sie überall auf der Welt findet. Dazwischen agieren die Beteiligten; die eigentliche Bühne gerät etwas ins Hintertreffen. Das Bühnenportal wird von einem riesigen weißen Gitter eingenommen, das den Kerker andeutet. Dieser Einheitsraum steht für ein System, das alle erfasst, egal ob Sänger, Musiker oder Zuschauer. Keiner kann sich entziehen. Mit Hilfe von auf dem Bühnenportal platzierten Fernsehmonitoren steht der ganze Raum zudem unter ständiger Bewachung.

Und mehr noch. Der Kerker ist kein klar strukturierter, abgegrenzter Ort, sondern allgegenwärtig. Alle, auch wir, sitzen in einem Gefängnis, werden permanent belauscht und überwacht. (...)

 

ruprecht.de Julia Held, 20.11.2010

(…) Im Anfang war das Chaos. In der Mitte des Schauspiels, ein Haufen weißer Plastikstühle. Menschen schälen sich aus diesem Chaos hervor, ihre Stimmen rezitieren Hölderlin. Ein ungewohntes Bühnenbild empfängt das Publikum im Heidelberger Opernzelt. Das Parkett als Spielort, der Orchestergraben im Rücken der Sänger, die Bühne, mit einem Gerüst versperrt. An diesem Stahlgerüst montierte Monitore geben das Geschehen in der Plastikstuhlkulisse wieder.

Die Akteure sind in "ostalgisch" beigefarbene Anzüge und Kittel gehüllt. Unter dieser einheitlichen Hässlichkeit blitzen vereinzelt Versatzstücke bunter Individualität auf. Eine Videoprojektion verdeutlicht die Isolation der Kerkerhaft. Ein Bühnenbild, das die Stichworte der Inszenierung darstellt: Gefangenschaft, Überwachung und Uniformität. Drei Elemente, die die Freiheit ersticken.

(…) Eine interessante Neuinszenierung hat Sven Holm auf die Heidelberger Bühne gebracht. Er versetzt die Oper aus ihrem Entstehungshintergrund – der Zeit des Napoleonischen Machtmissbrauchs – mit Hilfe eines gut durchdachten Bühnenbilds von Elisa Limberg gekonnt in die heutige Zeit.

 

Mannheimer Morgen Eckhard Britsch, 09.11.2010

(…) Dafür kennt die Inszenierungspraxis starke Bilder, die dem Kultur-Konsumenten das gute Gefühl geben, genau zu wissen, wie so ein "Fidelio" stattzufinden hat. Im Opernzelt des Heidelberger Theaters scheren sich Regisseur Sven Holm und sein Team keinen Deut um Erwartungshaltungen, sondern setzen eine komplexe Deutung von Umständen, die den Menschen gefährden, ihn im politischen Getriebe zu Überlebenstechniken zwingen und Ordnung aus dem Chaos entstehen lassen. Die wiederum relativiert individuelle Freiheit. Denn Individuum und Masse stehen im Wettstreit, oft bis zur Selbstzerstörung.

Die Inszenierung bricht manches Schema auf. Die Protagonisten stecken in uniformen, beigefarbenen Anzügen (Elisa Limberg, auch für die Bühne verantwortlich), womit signalisiert wird, dass sich Oben und Unten politisch schnell ändern kann. (…)