Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

4.48 Psychose

von Sarah Kane

 

Diplomarbeit Bühnen- und Kostümbild / Klasse Prof. Martin Zehetgruber

 

"Ich habe immer nur geschrieben, um der Hölle zu entfliehen. Und es hat nie funktioniert. Auf der anderen Seite, wenn ich da sitze und mir meine Vorstellungen anschaue und denke: „Na, vielleicht ist das die perfekteste Expression von der Hölle die ich je gefühlt habe“, dann hat es sich vielleicht gelohnt." (Sarah Kane)

 

4.48 Psychose liefert die Innensicht einer Krankheit, der Depression. Monologisierte Gedankenströme sind unterbrochen durch klinische Fachtermini, Introspektion wechselt mit objektiver Beobachtung. Der Stücktitel verweist auf den Zeitpunkt, an dem das sonst in Medikation und Depression gehüllte Ich einen Moment der klarsten Wahrnehmung erfährt. Todessehnsucht, Vernebelung und Augenblicke bestechender Klarheit sind Teil eines unaufhaltbaren Bewusstseinsstroms. Sarah Kanes experimentelle Herangehensweise macht den Text zur Sprachpartitur, er lebt von seiner starken musikalischen Rhythmisierung und der Auflösung der Figurenrede.

 

Es entsteht ein tiefer Einblick in die Seelenlage des unsicheren und nicht genau fassbaren Ichs, eine Gratwanderung zwischen Macht, Angst, Sehnsucht, Einsamkeit und der unbedingten Suche nach Liebe. „4.48 Psychose“ ist das fünfte und zugleich auch letzte Stück der Dramatikerin. Es wurde posthum im Juni 2000, ein Jahr nach dem Freitod der Autorin, auf der Studiobühne des Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt.